Saturday, March 29, 2025

Filmrezension "Heretic"

Mit einiger Spannung erwartet, liegt nun endlich "Heretic", der in Deutschland am 26.12.2024 in den Kinos startete, als Blu-ray vor. Der sympathische Hugh Grant, eher durch Liebeskomödien und Artverwandtes bekannt, spielt in diesem Film den zumindest anfänglich sehr netten älteren Mr. Reed, der von den zwei jungen, attraktiven und etwas naiven Missionarinnen der Mormonen, Schwester Paxton (Chloe East) und Schwester Barnes (Sophie Thatcher) im Rahmen eines Hausbesuches vom "richtigen Glauben" überzeugt werden soll. So weit, so langweilig, könnte man sagen. Nachdem die zwei jungen Frauen im Haus angelangt sind, drängen sie dezent darauf, die Gattin von Mr. Reed zum theologischen Gespräch herbeizuholen, da ihre Religion es verbiete, allein mit einem fremden Mann in einem Raum zu verweilen. Mr. Reed serviert Blaubeerkuchen und vertröstet im Laufe des Gespräches immer wieder die Mormonninen, seine Frau werde bald dazustoßen. Der halbwegs aufmerksame Zuschauer ahnt es schon - die Ehefrau existiert überhaupt nicht.

Im sich nun weiter entwickelnden Gespräch, in dem es um verschiedene Religionen, insbesondere auch die drei Monotheistischen (Judentum, Christentum, Islam) geht, wird zum einen deutlich, dass Mr. Reed den jungen Frauen intellektuell und wissensmäßig weit überlegen zu sein scheint. Der ältere Mann beginnt, konfrontativ die verschiedenen Religionen mit verschiedenen Varianten des Monopoly-Spiels und Songs wie "The air that I breathe" von den Hollies, Radioheads "Creep" und Lana del Reys "Get free" zu vergleichen - wobei die Musiker chronologisch nach dem Datum der Entstehung ihrer Songs voneinander abgekupfert haben und es aufgrund dessen auch außergerichtliche Einigungen und Gerichtsverfahren gab. So argumentiert Mr. Reed im Streit um die einzig wahre Religionen ebenfalls, dass letzlich alle nur voneinander kopieren und ein "uraltes Echo von etwas Wahrem seien", wofür Mr. Reed sogar den altägyptischen Himmelsgott Hor als Beleg hinzuzieht.

Die jungen Freuen, denen die Situation immer unheimlicher wird, wollen bereits fliehen und das Haus heimlich verlassen, was jedoch unter anderem an einer verschlossenen Haustür scheitert. Mr. Reed fordert sie nun auf, sich zwischen "Glaube" und "Unglaube" zu entscheiden, was konkret bedeutet, dass sie zwei Optionen haben, durch verschiedene Türen vermeintlich das Haus verlassen zu dürfen. Dabei sind sich auch die beiden Mormonninen nicht einig, was dem Geschehen noch weitere Dynamik hinzufügt. Analog zu Dantes "Inferno", in der Vergil und Dante immer tiefer in die Hölle hinabsteigen, geht es auch im Haus für die beiden Frauen bergab, sowohl ganz konkret - da es in den Keller geht - als auch im übertragenen Sinne; mehr sei an dieser Stelle natürlich nicht verraten.

Als Bonusmaterial gibt es auf der Blu-ray noch ein kurzes Interview mit den drei Hauptdarstellern, in welchem besonders die beiden Schauspielerinnen Chloe East und Sophie Thatcher ihre eigenen familiären und freundschaflichen Verbindungen und Verstrickungen zu Angehörigen der Mormonnen thematisieren. Im Kurzinterview mit den beiden  Regisseuren Scott Beck und Ryan Woods betonen diese ihr Anliegen, einen "dialogorientierten Horrorfilm" zu kreieren, der weniger durch Schockeffekte, als durch die Schwere des Themas - Religion, Tod, Sinn oder Unsinn der menschlichen Existenz - überzeugen soll. Wer sich darauf einlassen möchte, kann mit diesem Film ein fast zweistündiges hochinteressantes Filmerlebnis genießen.